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Sonderausstellungen

380 JAHRE „BIBLISCHE SUMMARIEN“

09.10.2011 - 04.03.2012

Die Bilderbibel Conrad Rotenburgers aus Bietigheim

Noch hatte der Dreißigjährige Krieg die Stadt Bietigheim mit all’ seinen
Schrecken nicht erreicht, als der Künstler Conrad Rotenburger 1630
gemeinsam mit dem Bietigheimer Amtsbürgermeister Johann Huttenloch mit
den „Biblischen Summarien“ ein erstaunliches Werk herausgab. Dieses, nur
selten erhalten gebliebene Werk, das zu den interessantesten Objekten der
Sammlung des Stadtmuseums Hornmoldhaus zählt, steht im Zentrum des
geplanten Ausstellungsprojektes. Als Bilderbibel angelegt, umfasst der Band
91 Blätter mit jeweils mit 16 Darstellungen aus dem Alten und Neuen
Testament, die mit metrisch durchgestalteten Zweizeilern erläutert werden.
Mit dieser Arbeit empfiehlt sich Rotenburger als schöpferischen Radierer, der
sein Handwerk bestens beherrschte. Besonders reizvoll wird die
Auseinandersetzung mit den Bildern, in denen der Künstler, unterstützt von
seinem Gehilfen Jacob Custos, die biblische Geschichte mit der Bildsprache
des 17. Jahrhunderts erzählt und dabei reizvolle Blicke auf zeitgenössisches
Interieurs und Mode ermöglicht.

Aus Rotenburgers Biografie ist nur wenig bekannt. Über das Taufdatum einer
seiner Töchter im Jahr 1612 wird er erstmals in Bietigheim urkundlich
fassbar. Auch weitere Kinder empfingen dort das Taufsakrament. Nachdem
Rotenburger bereits 1616 in den Rat der Stadt Bietigheim berufen wurde,
waren sowohl sein Ansehen als auch sein Besitz nicht unerheblich. Wohl
auch wegen seines Berufs als Maler wurde ihm das wichtige städtische Amt
des „Feldmessers“ übertragen, das heute mit den Aufgaben eines Geodät
vergleichbar ist und eben manchmal zeichnerische Fähigkeiten verlangte. Im
Rahmen dieser Tätigkeit verfasste er eine erhalten gebliebene
„Feldmesserchronik“, in der er etwa gelöste Grenzstreitigkeiten und einzelne
erwähnenswerte Ereignisse protokollierte. Dieses Amt übte Conrad
Rotenburger bis zu seinem Tod im Jahr 1633 aus. Dass er ebenfalls in das
Gericht der Stadt berufen wurde, kann als weiterer Indikator für sein Ansehen
in Bietigheim gewertet werden.

Die Ausstellung beleuchtet die Lebensumstände des Malers Conrad
Rotenburger und beschäftigt sich neben den „Biblischen Summarien“ mit
weiteren seiner Werke, wie einem Epitaph in der Besigheimer Stadtkirche
aus dem Jahr 1611 und seinem wohl größten Werk, die 1614 begonnene
Ausmalung der Vaihinger Stadtkirche nach den programmatischen Vorgaben
des dortigen Pfarrers Johann Valentin Andreae. Leider wurde diese Arbeit
Rotenburgers bereits 1618 ein Opfer der Flammen.

Die Ausstellung schließt mit dem Ausblick auf die Schrecknisse des
Dreißigjährigen Krieges für die Stadt Bietigheim, welche der Maler zwar nicht
mehr selbst, wohl aber seine Familie erleiden musste.

Die Einführung in die Sonderausstellung am Eröffnungstag wird der
Bietigheimer Autor Günther Bentele übernehmen, der bereits im Jahr 1999
einen grundlegenden Aufsatz über Rotenburger als Bietigheimer Künstler
aus der Zeit der Familie Hornmold vorgelegt hat.



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